Projekt des Studiengangs „Elementare Musikpädagogik“
an der Hochschule für Musik Würzburg mit SeniorInnen eines Seniorenheims und Kindern der ersten Klasse einer Förderschule
„Generationenübergreifendes, Elementares Musizieren mit Senioren und Kindern in einer geriatrischen Einrichtung“
„Generationenübergreifendes, Elementares Musizieren mit Senioren und Kindern in einer geriatrischen Einrichtung“ findet im Rahmen einer Modellklasse innerhalb des Studiengangs Elementare Musikpädagogik (EMP) an der Hochschule für Musik Würzburg statt. Das hier dokumentierte Projekt ist das vierte dieser Art und fester Bestandteil der Modellklassen der EMP.
Die teilnehmende Grundschulklasse aus einer benachbarten Schule kommt hierzu in jeder Stunde in das Seniorenheim, wo beide Gruppen miteinander musizieren. Das Projekt stößt auf großen Zuspruch und wird sowohl von den Bewohnern des Seniorenheimes als auch den Kindern sehr gut angenommen. Die Leitung des Projekts unterliegt der Professorin im Studiengang EMP an der Hochschule für Musik Würzburg Barbara Metzger. Sie konzipiert zusammen mit einer weiteren Dozentin und Studierenden der EMP die jeweiligen Unterrichtsinhalte. Dozenten und Studenten führen im Wechsel nach Absprache durch die Stunde. Die Unterrichtsinhalte setzen sich aus jahreszeitlichen, aktuellen oder persönlich orientierten Themen zusammen. Die Musikvermittlung geschieht ganz im Sinne der Elementaren Musikpädagogik und beinhaltet Stimme, Sprache, Bewegung und (elementares) Instrumentalspiel. Besondere Wünsche der Senioren, z.B. in Bezug auf alte Lieder, werden wo möglich in die Stunden eingebaut. Bei der Stundengestaltung wird außerdem besonderer Wert darauf gelegt, sowohl den Senioren als auch den Kindern Bekanntes anzubieten.
Durch das Medium Musik kann die Interaktion und Kommunikation zwischen beiden Gruppen gefördert und ausgebaut werden. Im gemeinsamen Singen und Instrumentalspiel treten Senioren und Kinder in Kontakt zueinander, bauen Barrieren ab und entwickeln Toleranz. Darüber hinaus entsteht an mancher Stelle eine besondere Beziehung zwischen Senior und Kind, eine so genannte Musik-Patenschaft. Über die Musikstunden hinaus zeigen die Kinder großes Interesse an den Senioren und ihrer Lebenswelt. Andere Projekte, wie zum Beispiel gemeinsame Spiele-Nachmittage, werden angedacht.
Die These, dass beide Gruppen voneinander lernen würden, bestätigt sich nach jedem der einzelnen Projekte. Verschiedene Unterrichtsinhalte werden dahingehend konzipiert, dass sie Senioren und Kinder zueinander führen sollen.
Bei allem, oft auch spielerischem, Handeln, steht die Musik im Mittelpunkt. Sie ist Inhalt, Anknüpfung und Mittler zwischen beiden Generationen. Die Ressourcen der Senioren werden mobilisiert, wobei gleichzeitig die Fähigkeiten der Kinder entwickelt oder gefördert werden. Die Frage, welche Gruppe hierbei von welcher lernt, verschwindet gänzlich.
Das Pflegepersonal des Seniorenheimes berichtete zum Beispiel, dass die an den Stunden teilnehmenden Senioren an den Unterrichtstagen im Vergleich zu Tagen, an denen keine Musikstunde stattfand, wesentlich mobiler, geistig wacher und besser gelaunt seien. Aufgrund des geistigen und körperlichen Gesundheitszustandes der Senioren war diese Veränderung zwar zeitlich begrenzt, aber die Musikstunden stellten einen besonderen Höhepunkt in der Woche der Senioren dar.
Bei den Kindern zeigten sich dagegen eher längerfristige Veränderungen. Manche, besonders Schülerinnen, „adoptierten“ eine neue Oma und kümmerten sich um diese, erzählten zuhause von ihr, besuchten sie oder gestalteten Mitbringsel.
Die Elementare Musikpraxis ist für diese Gruppenkonstellation deshalb so gut geeignet, da sie keine Voraussetzungen stellt, weder an die Senioren noch an die Kinder. Unterrichtsinhalte können so gewählt werden, dass es nicht von Bedeutung ist, ob die teilnehmenden Gruppen Jahrzehnte voneinander trennen. Man lernt es eben neu oder wieder kennen.
Das Projekt traf hochschulintern und regional in der Presse auf großes Interesse und wird planmäßig im nächsten Jahr zum fünften Mal angeboten.